← Alissa Smajilovic Journal
Kapazität

„Sobald ich Urlaub habe, werde ich krank.“ Der Satz, den ich von Unternehmerinnen am häufigsten höre.

Von Alissa Smajilovic · 6 Min. Lesezeit

Erster Urlaubstag. Der Kalender ist leer, das Handy ist stumm und du liegst flach. Es ist so verlässlich, dass du schon beim Packen Halstabletten einsteckst.

„Sobald ich Urlaub habe, werde ich krank.“ Diesen Satz höre ich von Unternehmerinnen öfter als fast jeden anderen, meistens nebenbei erzählt, halb als Witz, als wäre der Körper eben etwas empfindlich. Kaum eine nimmt ihn ernst, denn er fühlt sich wie Pech an: das Flugzeug, die Klimaanlage, die Kinder bringen ja immer etwas mit.

Aber rechnen wir kurz ehrlich: Wenn Erholung bei dir verlässlich in Krankheit endet, hast du keine Erholung. Dann kennt dein Jahr nur zwei Zustände, Leistung und Zusammenbruch, und die Pausen dazwischen sind keine Pausen. Sie sind Reparatur. Die Erschöpfung wird dabei nie abgebaut, sie wird nur aufgeschoben, bis irgendwann ein ganz normaler Arbeitsmonat reicht, um das System zu kippen.

Das ist kein empfindlicher Körper, das ist ein präziser

Oft kommen dann Gedanken wie „Ich bin halt anfällig“ oder „Immer erwischt es genau mich“. Typisch, das ganze Jahr nichts und dann am ersten freien Tag.

Das Phänomen hat einen Namen: Leisure Sickness, auf Deutsch ungefähr Freizeit-Krankheit. Dahinter steckt keine Schwäche, sondern ein ziemlich beeindruckendes Notprogramm. Solange Druck da ist, hält dein Körper alles oben, er schüttet Stresshormone aus, das sind die Stoffe, die dich wach, schnell und unempfindlich machen, und er schiebt alles auf, was dich jetzt aufhalten würde, auch das Krankwerden. Fällt der Druck weg, ist das Programm zu Ende und alles Aufgeschobene kommt auf einmal. Der Zusammenbruch am ersten Urlaubstag ist also keine Panne. Er ist die Rechnung für die Monate davor und dein Körper hat mit ihr gewartet, bis du sie dir leisten kannst. Das ist keine Fehlfunktion, das ist Rücksicht.

Woran ich als Erstes denke, wenn ich das sehe

Wenn eine Kundin mir davon erzählt, prüfe ich drei Dinge.

Zuerst die Strategie, denn ein Business, das nur mit Daueranspannung läuft, hat ein Design-Problem: keine Puffer im Kalender, keine Übergaben, keine Woche, die nicht auf Kante genäht ist. Erholung ist in so einem System nicht eingeplant, sie ist Resteverwertung, das, was übrig bleibt, wenn alles andere fertig ist. Und es ist nie alles andere fertig.

Dann die Identitätsaspekte: Wenn der eigene Wert an Leistung gekoppelt ist, fühlt sich Pause wie Wertverlust an. Dann wird Erholung hinausgeschoben, klein geredet und mit Arbeit gefüllt, bis der Körper sie erzwingt. Dass er das im Urlaub tut, ist dann fast folgerichtig, es ist der einzige Termin, den er bekommt.

Und dann die Kapazität, denn hier liegt bei diesem Muster der Kern: Erholen können ist eine Fähigkeit, keine Selbstverständlichkeit. Ein System, das jahrelang auf Anspannung gelaufen ist, kann Entspannung erstmal nicht, sie fühlt sich sogar unsicher an, weil der Zustand unbekannt ist. Kapazität heißt deshalb beides: dem standhalten können, was mit Wachstum kommt, UND sich davon wieder erholen können. Der zweite Teil wird fast immer vergessen und genau er fehlt bei diesem Muster.

So sieht das in meiner Arbeit aus

Ich kenne diese Rechnung von innen. In der Zeit, in der ich nach außen am stärksten gebaut habe, hat mein Körper gewartet, bis ich mir Abstand geschaffen hatte, und mich genau dort erwischt: Kribbeln im Gesicht, Panikattacken, mitten in dem Projekt, das mir eigentlich Ruhe bringen sollte. Erst da habe ich verstanden, dass Erholung nichts ist, was man sich einfach nimmt. Sie ist etwas, das ein System wieder können muss. Heute ist genau das ein Kernstück meiner Arbeit: Erholungsfähigkeit aufbauen, in kleinen Dosen und mitten im Arbeitsalltag, BEVOR der Körper sie mit Gewalt einfordert. Nicht als Wellness obendrauf, sondern als Bauteil des Business.

Wenn dich der Urlaub verlässlich krank macht, ist die ehrliche Frage also nicht, wie du dich besser schützt oder härter wirst. Sondern was dein Business so baut, dass Erholung erst am Limit stattfindet, was Pause für dich bedeutet und was dein System braucht, um sie wieder zu können. Genau das finde ich mit Frauen heraus, am liebsten lange vor dem nächsten Urlaub.

Genau an dieser Verbindung arbeite ich: Strategie, Identität und Kapazität als ein System. Wie das aussieht, findest du unter Solution Design. Ob es zu dir passt, klärt sich am besten im Gespräch.

Solution Design ansehen

Dieser Text spiegelt meine Perspektive und meine Arbeit wider. Er ist keine medizinische oder therapeutische Beratung und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Ich arbeite nicht diagnostisch und verweise bei Bedarf an entsprechende Fachpersonen.