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Führung

Du hast ein Team und prüfst trotzdem jeden Post. Du bezahlst also doppelt: das Team und deine Zeit.

Von Alissa Smajilovic · 6 Min. Lesezeit

Kein Post geht raus, den du nicht noch mal geöffnet hast. Keine Grafik, kein Text, kein Hashtag. Dabei hast du genau dafür jemanden eingestellt: damit du das alles nicht mehr selbst machen musst. Und nachts fragst du dich, warum du müder bist als vor der Einstellung.

Von außen sieht das aus wie Qualitätssicherung. Du nennst es vielleicht Verantwortung, immerhin steht dein Name auf allem.

Aber rechnen wir kurz ehrlich: Du bezahlst jede Aufgabe zweimal, einmal an dein Team und einmal mit deiner Prüfzeit. Zählen wir die Stunden einer Woche zusammen, das Nachschauen, das Korrekturlesen, das Nochmal-drüber-Gehen, dann ist das dein teuerster Arbeitsplatz und er steht in keiner Kalkulation. Dazu kommt, dass dein Business nur so schnell wachsen kann, wie du kontrollieren kannst. Deine Prüfzeit ist die Decke, unter der alles bleibt.

Und jedes Mal sagst du dir: Wenn sie erst richtig eingearbeitet ist, wird es weniger. Es wird nicht weniger, denn dein Team lernt mit. Wer weiß, dass am Ende sowieso noch jemand drüberschaut, hört auf, die letzte Verantwortung zu übernehmen.

Du bist kein Kontrollfreak

Oft kommen dann Gedanken wie „Ich kann einfach nicht delegieren“ oder „Bei meinen Standards muss ich halt draufschauen“. Gute Leute findet man nicht. Wenn etwas Falsches rausgeht, fällt es auf mich zurück.

Aus meiner Arbeit kann ich sagen: Die Frauen, die so führen, sind fast nie Kontrollfreaks aus Prinzip. Es sind die, die ihr Business aus dem eigenen Qualitätsgefühl aufgebaut haben. Jahrelang war „ich mache es selbst“ nicht ihr Problem, es war ihr Erfolgsrezept und genau deshalb ist es so hartnäckig.

Es geht also weniger um Charakter. Es geht um ein Muster, das eine Funktion hat. Jede Freigabe ohne Prüfung ist ein Moment, in dem etwas in deinem Namen passiert, das du nicht warst. Das Prüfen schützt davor und es schützt noch etwas Leiseres: Solange nichts ohne dich geht, bist du unersetzbar. Unersetzbar sein war lange deine Sicherheit. Ein Team, das ohne dich liefert, fühlt sich dann erstmal nicht wie Entlastung an, sondern wie Bedeutungsverlust. Das sagt nur niemand laut.

Woran ich als Erstes denke, wenn ich das sehe

Wenn eine Kundin mir davon erzählt, prüfe ich drei Dinge.

Zuerst die Strategie: Gibt es definierte Freigabe-Stufen oder läuft alles über ihren Tisch, weil nie entschieden wurde, was ohne sie gehen darf? Steht irgendwo, was „gut genug“ heißt, mit Beispielen, mit No-Gos, mit Tonalität? Ohne solche Kriterien muss sie jede Einzelentscheidung selbst treffen, dann ist das Prüfen kein Muster, sondern die einzige Struktur, die existiert. Aber manche Prüfschleifen überleben jede Struktur, dann liegt es nicht am fehlenden Styleguide.

Dann sehe ich mir die Identitätsaspekte an. Wer wäre sie, wenn der Post ohne sie rausgeht und gut ist? Abgeben heißt hier nicht Aufgaben verteilen, es heißt zulassen, dass in ihrem Namen etwas entsteht, das nicht durch ihre Hände ging. Das ist ein Rollenwechsel, von der, die alles macht, zu der, in deren Namen gearbeitet wird. Diese zweite Rolle muss innerlich existieren, sonst holt sie sich die Arbeit zurück, egal wie gut das Team ist.

Und dann ein Datenpunkt, der für mich oft den Ausschlag gibt: Was passiert in ihr, in der Sekunde, bevor etwas ungeprüft live geht? Wie reagiert ihr Körper auf einen Post, der anders ist, als sie ihn gemacht hätte? Was sagt uns das über ihr System? Delegiertes delegiert zu lassen, während es anders läuft als der eigene Weg, ist keine Willensfrage. Es ist die Kapazität, Reibung zu tolerieren. Bei Frauen, die jahrelang alles selbst getragen haben, ist genau diese Kapazität oft am dünnsten.

So sieht das in meiner Arbeit aus

Der erste Schritt in meiner Arbeit ist dann übrigens fast nie „gib mehr ab“. Meistens ist es ein einziges, klar umrissenes Stück Arbeit, das für dreißig Tage wirklich beim Team liegt, mit Kriterien davor statt Kontrolle danach und mit einem Plan für den Moment, in dem sie eingreifen will, denn dieser Moment kommt sicher. Nicht die Abgabe ist die Arbeit. Der Moment des Nicht-Eingreifens ist die Arbeit, denn genau dort entscheidet sich, ob ein Team dich trägt oder nur begleitet.

Wenn du ein Team hast und trotzdem alles über deinen Tisch geht, ist die ehrliche Frage also oft nicht, wie du endlich loslässt. Sondern auf welcher Ebene das Festhalten gerade recht hat: Strategie, Identität oder Kapazität. Genau das finde ich mit Frauen heraus, bevor irgendjemand mehr abgibt.

Genau an dieser Verbindung arbeite ich: Strategie, Identität und Kapazität als ein System. Wie das aussieht, findest du unter Solution Design. Ob es zu dir passt, klärt sich am besten im Gespräch.

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Dieser Text spiegelt meine Perspektive und meine Arbeit wider. Er ist keine medizinische oder therapeutische Beratung und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Ich arbeite nicht diagnostisch und verweise bei Bedarf an entsprechende Fachpersonen.